Zum 90. Geburtstag: Gedenktafel für einstigen Philharmoniker-Chef Claudio Abbado enthüllt

DER TAGESSPIEGEL | 28.06.2023 |CORINA KOLBE

Kultursenator Joe ChialoKultursenator Joe Chialo

In seiner Zeit als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker wohnte Claudio Abbado in einem schmucken Altbau am Wilmersdorfer Ludwigkirchplatz. Im Dachgeschoss fand der bekennende Naturfreund einen Rückzugsort mit Blick auf die Baumwipfel, mitten in der Stadt und doch weit weg vom Trubel des Alltags. An den prominenten Mieter, der von 1989 bis 2001 im Kiez lebte, erinnert jetzt eine Berliner Gedenktafel an der Adresse Ludwigkirchstraße 9A.

Kultursenator Joe Chialo würdigte Abbado in seinem Grußwort als „Berufenen, der immer wieder den Zauber in der Musik suchte“. Enthüllt wurde die Tafel just an dem Tag, an dem der 2014 verstorbene Künstler seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte.

Berührend war die Laudatio von Wolfram Christ, ehemals 1. Solobratschist bei den Philharmonikern und bis heute Mitglied des von Abbado gegründeten Lucerne Festival Orchestra. „Ich bin Claudio, sagt nicht Maestro zu mir“ - so habe er sich damals in Berlin vorgestellt. Mit „ungekünstelter Bescheidenheit und anrührender menschlicher Wärme, ja fast Naivität“ sei er den Philharmonikern entgegengetreten.

Sein unnachahmliches Dirigieren, seine ausdrucksstarke linke Hand, habe tausend Worte ersetzen können, so Christ. „Für ihn gab es nur ein Miteinander, ein kammermusikalisches Hören, das von uns Musikern eine größere Verantwortung verlangte. Wir mussten bereit sein für die gemeinsame Suche durch das musikalische Labyrinth.“ Christ hatte vergnügliche Anekdoten parat - so lotste ihn Abbado auf einer Tour einmal in eine Sporthalle, um mit ihm stundenlang Tischtennis zu spielen. Eine Leidenschaft des Dirigenten, der man übrigens auch am Ludwigkirchplatz nachgehen kann.